Ohne Worte

Staufenkaiser Friedrich II. lebte um 1250 in Palermo.
Er wollte die Ur-Sprache der Menschen herausfinden.
In einem Waisenhaus ließ er Findelkinder unterbringen
und von Kinderpflegerinnen versorgen.
Sie sollten die Säuglinge mit Nahrung und Fürsorge bestens hegen und pflegen.
Nur eines wurde den Pflegerinnen strengstens verboten:
mit den Kindern ein Wort zu sprechen.
Wenn die Kinder nie ein Wort in einer bestimmten Sprache hören, so dachte der Kaiser,
würden sie eines Tages in der Ursprache der Menschen anfangen zu reden.
Das Experiment brachte nicht die Ursprache der Menschen,
wohl aber die Urbedürfnisse des Menschen an den Tag.
Denn die Kinder verkümmerten und starben schließlich
trotz der guten Pflege und Ernährung.
Daran wird deutlich, was wir Menschen im Letzten zum Leben brauchen.
Neben aller sächlichen Versorgung brauchen Menschen, um sich entfalten,
aufblühen und leben zu können, Worte der Liebe.
Wenn man zu den Menschenkindern nicht Worte der Liebe spricht,
dann gehen sie zugrunde,
und wenn sie noch so viel zu essen haben.