der defekte Familien-Stammbaum

Ein Stammbaum ist die Aufzeichnung der Generationenfolge einer Familie.
Er hilft dabei, die eigenen Wurzeln zu entdecken.
Er beginnt mit den Eltern und dann vier Großeltern.
Die hatten natürlich auch wiederum Eltern und so weiter.

Alles kein Problem, wenn es da nicht die vielen Scheidungen,
in Partnerschaft ohne Trauschein (wilde Ehen) usw geben würde.
Ahnenforscher müssen da regelrecht Begriffe erfinden.
Bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften endet gar der Ast.
Natürliche Nachkommen kann es da ’natürlich‘ nicht geben.

Fakt ist, es wird kompliziert bei wechselnder Partnerschaft.
Neue Äste und Verästelungen werden aufgepfropft. Mit Erfolg?

Immer mehr Kinder sind nicht mehr ‚eigene‘ Kinder,
immer mehr Kinder leben nicht mehr mit ‚eigenen‘ Eltern.

Egal? Nicht von Bedeutung?

Forscher wissen, dass die ‚Stieffamilie‘ eine problembehaftete
Familienform darstellt.

Ein wesentlicher Konfliktherd resultiert aus der fehlenden
gemeinsamen Geschichte der Mitglieder.
Stiefeltern wissen oft nicht wie sie die Kinder behandeln sollen.
Die Verunsicherung äußert sich häufig in einer extremen
Sensibilisierung und einem Überengagement des Stiefelternteils.
Jedes Verhalten des Kindes wird zum Prüfstein, ob er vom Kind
akzeptiert wird oder nicht.

Für Kinder bedeutet die Wiederverheiratung meist den Verlust
einer besonders engen Eltern-Kind-Beziehung.
Je mehr die Kinder ihren sicheren Grund verlieren,
je mehr sie durcheinander gewirbelt werden,
desto labiler, unruhiger und anfälliger für seelische
Erkrankungen werden sie.

Das ‚dicke‘ Blut und die Gene spielen eine größere
Rolle als wir ahnen. Das kann man in Gesprächen erfahren
und in Sendungen wie „Julia Leischik sucht – Bitte melde dich“
beobachten.

Verwandtschaftliche Zusammenhänge offenbaren die
aktuellen Probleme, selbst wenn das Kind unwissentlich
in einer ganz anderen Familie aufwächst.

Ein Beispiel dafür sind diese Schwestern:

Eine Hebamme vertauscht im Krankenhaus zwei Babys.
Vermutlich aus Unachtsamkeit,
es ist der Geburtstag ihres eigenen Kindes
und sie muss noch den Geburtstagskuchen backen.
Für die beiden Neugeborenen Marianne und Marlies
verändert sich in einem einzigen Moment ihr ganzes Leben.
Das Mädchen aus der Westberliner Familie wächst in der DDR auf,
das Mädchen aus der DDR in Westberlin.

(Quellen: „Familienformen im sozialen Wandel“ von
Rüdiger Peuckert/ „Verführt. Manipuliert. Pervertiert.“
von Christa Meves)