Tobias und die Dienstreise nach Australien (Teil 2)

Leider gibt es auch am Freitag kein Fahrrad, der Bundesstaat Victoria,
zu dem Melbourne gehört, ist weiterhin im Lockdown.
Menschen dürfen sich nur in einem 5km-Radius bewegen.
Hometrainer scheinen da beliebt zu sein.
Tja, da gilt es die kleinen Freiheiten zu genießen und Morgens,
Mittags und Abends beim Hereinholen der Essenstüte
die Nase in den Gang zu stecken und Freiheit zu schnuppern.
Man sollte damit nicht zu lange warten, wie die folgende Begebenheit am Abend zeigt:
17:30 Uhr wird das Abendessen vor die Tür gestellt und mit einem Klopfen signalisiert.
Ich hole mein Essen immer sofort herein, da ich es gern warm esse.
Kurz nach 19:00 Uhr vernahm ich ein recht lautes Klopfen an der Türe gegenüber.
Da sich nichts tat wurde das Klopfen wiederholt und gesteigert.
Als es sich langsam in ein gepflegtes Hämmern entwickelt hatte,
öffnete die erschrockene Nachbarin und entschuldigte sich kurz
und nahm dann ihr Essen entgegen.
Die Gangwächter haben sicher die Aufgabe zu beobachten,
dass das Essen in einer gewissen Zeit geholt wird, sonst ist Alarm,
es könnte ja auch jemandem was zugestoßen sein oder so ähnlich.
Samstags gab es wieder ein kleines Highlight:
Ich rief bei der Rezeption an um mir neuen Pulverkaffee und Zucker zu bestellen
und begann das Gespräch mit einem kleinen Scherz,
indem ich nach einer Fahrradtour fragte.
Die Frau wurde plötzlich sehr schweigsam und gab das Telefon an ihren Kollegen weiter,
mutig brachte ich meinen Gag nochmal aber auch diesmal kein Lacher
sondern eine irritierte Antwort, dass es das nicht gäbe. Humor: Fehlanzeige.
Ok, das probiere ich lieber nicht mehr. Habe dann mein Zeug bestellt plus einmal neue Bettwäsche. Nun kam der feierliche Moment,
ich habe das erste Mal überhaupt, seit über 10 Jahren auf Reisen,
im Hotel mein Bett selber überzogen und mein Bad sauber gemacht.
Darf ja keiner rein für den Zimmerservice.
So habe ich das mehr schlecht als recht selbst gemacht. Hab ja Zeit;-)
(Die haben keine normale Bettwäsche!)
Draußen in Melbourne ist Lockdown angesagt, Bewegung ist nur im 5km Radius erlaubt.
Wird auch noch ne Weile so bleiben, da die Zahlen noch nicht runter gehen.
Dankbarer weise liegt mein Arbeitsort etwas außerhalb von Melbourne,
dort scheint es etwas lockerer zu sein.
Was auch immer „australisch-locker“ in diesen Zeiten bedeutet.
Ansonsten vergehen die Tage und eine gewisse Routine hat sich eingestellt,
youtube liefert die Sporteinlage am Morgen,
7:30 klopft es, kurz Freiheit im Gang schnuppern und die Frühstückstüte reinholen.
Duschen, einfach weil es schön ist. Montag war wieder Testtag, sicher ist nämlich sicher.
Nur mit negativen Test zum PCR-Test. Das zelebrieren wir hier.
Vormittags ruft die Krankenschwester an und fragt die Befindlichkeit ab:
„Haben Sie Husten, Schnupfen, kratzigen Hals, Kopfschmerzen, Erbrechen, Durchfall,
Migräne, Geruchs-oder Geschmacksverlust, Fieber oder sonstige Beschwerden?
(Liste verkürzt wiedergegeben).
Na schön das es Ihnen gut geht, auf wiederhören.“
Mittags wieder klopf klopf, Maske anlegen, Freiheit schnuppern und Mittagstüte reinholen.
Gibt ja kein Wahlessen, deswegen viele Überraschungen.
Aber generell ist das Essen sehr fein.
Der Wasserkocher hilft wahlweise Pulverkaffee oder Cappuccino zuzubereiten,
und das reichlich. Wir unterbrechen den Bericht für eine kurze Werbung:
Na, eingesperrt und Lust auf was Süßes? Probieren Sie das neue KitKat „Gold“,
jetzt neu in der 170g „HilfeichbininQuarantäneverpackung“,
bestellen Sie jetzt bei ihrem Onlinesupermarkt, wir liefern zu Ihnen,
da Sie ja nicht zu uns kommen können. Hi Hi.Diese Werbung hat mich sehr angesprochen,
Produkt gekauft, reichlich;-) Um 17:30 das letzte Klopfen,
das Abendessen wird in der Tüte geliefert.
Damit sich die Papiertüten und Essensverpackungen von „Essen in Tüten“ nicht stapeln,
fülle ich fein die Mülltüten damit. Immer doppelt eintüten,
wegen der Seuchengefahr und dann ab damit raus aus dem Fenster.
Nein, also das war jetzt frech und doppelt gelogen. Fenster geht nämlich nicht auf
und der Müll kommt in den Gang;-)
Ach ja, einen kleinen Spaß hat das Hotel noch eingebaut,
in der ersten Nacht wurde ich plötzlich durch ein lautes Fauchen geweckt.
Ich habe Licht angemacht und es zeigte sich, dass da ein 1m großer Luftfilter
neben meinem Nachttisch stand und auf höchster Stufe die bösen schlimmen
„wasauchimmer“ aus der Luft filtert. Aktiviert über WLAN.
Das Ende dieser Tyrannei kam mit dem kappen der Stromversorgung. Gute Nacht.
Die Ruhe war aber nicht sehr lang, um 6:00 Uhr schellte der Wecker. Auch das noch.
Danke lieber vorheriger Gast für dieses kleine Späßle.