der Silberglanz des Erzgebirges

Meine Erinnerungen wandern zurück in die Kinderzeit im winterlichen Erzgebirge.
Viele sehen im Erzgebirge das „Weihnachtsland“ schlechthin.
Schade, dass durch die harte Corona-Politik
auch in diesem Jahr meine adventliche Gruppenreise durch das Erzgebirge
gestrichen werden musste.
Im kommenden Jahr ist diese 5-Tage-Tour mit Dresden samt Stritzelmarkt
und Lichterfahrt durch die Bergstädte wieder geplant.
So Gott will und wir leben! Und die Politik sich ändert!
Ja, das erzgebirgischen Weihnachtsland ist wie keine andere Region Deutschlands
vom Licht geprägt. Kein Haus, kaum ein Fenster,
das nicht vom warm-weißen Licht erleuchtet ist.
Kein bunter Glitzer und kein elektronisches Geblinke!
Amerikanische Weihnachten kann Amerika feiern, nicht das Erzgebirge!
In vielen Fenstern stehen nach alter Tradition Bergmann und Engel mit Wachskerzen.
Was heute hochgeschätzte Schnitzerei ist, war im Ursprung der bitteren Armut geschuldet.
Das sogenannte „Berg-Geschrey“ hatte im 12. Jahrhundert Tausende aus halb Europa
in das sächsische Gebirge gelockt.
Reiche Silberfunde, später auch Zinn und andere Erze
gaben dem unwirtlichen und eisigen „Miriquidi“, dem „Dunkelwald“,
den Namen „Erz-Gebirge“. Doch schon im 16. Jahrhundert war der Silberglanz erloschen,
zogen Hunger und Elend in die Dörfer und Städte ein.
Die Felder brachten im rauhen Gebirge wenig Ertrag.
Kriege verwüsteten ganze Landstriche – der Dreißigjährige Krieg,
der Siebenjährige Krieg wüteten im Erzgebirge.
Einen Hoffnungsschimmer brachte Barbara Uthmann für die Frauen in die Häuser:
Das Klöppeln. Die Männer begannen zu schnitzen und zu drechseln.
Seiffen, Olbernhau und Grünhainichen stehen heute für erzgebirgische Volkskunst.
Der Bergmann steht für die Erinnerung an den Bergbau.

In den Wintermonaten fuhren die Hauer im Dunkel der Morgenstunden in den Schacht ein.
Und am Abend kehrten sie ins Dunkel zurück. Höchstens am Sonntag war die Sonne zu sehen.
Die Hoffnung auf Licht und den göttlichen Beistand zeigen die Lichterengel.
In der Einsamkeit vor Ort tief unter Tage wird so mancher Bergmann oft gebetet haben.
Die weihnachtliche Mettenschicht war der Gottesdienst unten im Schacht
– verbunden mit dem Ruf „Glück-auf“. Und das Mundloch, der Eingang zum Bergwerk,
war von Kerzen gekrönt. Noch heute erinnern die Lichterbögen, jene „Schwibb-Bögen“,
und die Weihnachtspyramiden mit den Figuren der biblischen Geschichte
an diese Tradition. Und so spannt sich der Bogen nach Bethlehem in das ursprüngliche Weihnachtsland. Die alte und neue Botschaft der heiligen Nacht heißt:

„Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden,
die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen,
und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht!
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr,
in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,8-11).

Egmond Prill

(Quelle: Soulsaver)